Welche Staatsangehörigkeit der Erblasser hatte, wo er verstorben ist und in welchem Land sich sein Nachlass befindet, ist seitdem in der Regel ohne jede Bedeutung. Die Verordnung legt auch für deutsche Staatsbürger fest, dass die gesamte Rechtsnachfolge nach einem Todesfall dem Recht desjenigen Staates unterliegt, in dem der Erblasser zum Zeitpunkt seines Todes seinen „gewöhnlichen Aufenthalt“ hatte.

Hat ein deutscher Erblasser seinen gewöhnlichen Aufenthalt zum Beispiel in Spanien und auch noch Immobilien hier in Deutschland, findet spanisches Erbrecht auch für das Immobilienvermögen in Deutschland Anwendung.

Der Gesetzgeber hat nicht festgelegt, was genau unter dem Begriff „gewöhnlicher Aufenthalt“ zu verstehen ist. Dies ist im Einzelfall anhand von Anknüpfungstatsachen zu prüfen.

Dazu ein Beispiel:

Ein deutsches Rentnerehepaar mit einem gemeinschaftlichen Testament erwirbt in Spanien eine Zweitwohnung als Altersruhesitz. Es gefällt ihnen dort so gut, dass sie dort den überwiegenden Teil des Jahres verbringen, so dass davon auszugehen ist, dass schon für den ersten Sterbefall spanisches Erbrecht auch für die deutsche Erstwohnung gilt.

In Spanien ist es möglich, dass ein in Deutschland errichtetes sog. „Berliner Testament“ nicht vollumfänglich anerkannt wird. Spanisches Recht billigt auch den enterbten Angehörigen in bestimmten Fällen ein sog. Noterbrecht zu.

Oder ein zweites Beispiel:

Der Bevollmächtigte eines nicht mehr geschäftsfähigen deutschen Staatsangehörigen schließt aus Kostengründen mit einem tschechischen Pflegeheim einen Heimunterbringungsvertrag auf unbestimmte Zeit ab. Hier dürfte bereits vom ersten Tag an der gewöhnliche Aufenthaltsort in Tschechien liegen, weil insoweit der Bleibewille maßgebend ist.

Somit würde tschechisches Erbrecht auch für das hier in Deutschland gelegene Vermögen zur Anwendung kommen. Auch tschechisches Erbrecht weicht in vielen Punkten vom deutschen Erbrecht ab. Personen, die mit dem Erblasser mindestens ein Jahr vor dessen Tod im gemeinsamen Haushalt gelebt haben, steht ein gesetzliches Erbrecht zu.

In beiden Fällen kann es leicht dazu kommen, dass vom Erblasser eigentlich nicht gewollte Rechtsfolgen eintreten. Die EU-Erbrechtsverordnung bietet als Ausweg ausdrücklich die Möglichkeit, im Testament oder in einem Erbvertrag eine Rechtswahl zu treffen.

Wer also zukünftig die Anwendung des deutschen Erbrechts sicherstellen will, sollte sein Testament neu errichten oder sein schon bestehendes Testament um eine rechtssichere Rechtswahlklausel ergänzen. Die neuen Regeln sehen auch die Einführung eines Europäischen Nachlasszeugnisses vor.

Damit steht nun ein auch im Ausland gültiger einheitlicher Nachweis über die Rechtsnachfolge zur Verfügung.